|
Diese einzigartige Tour auf nd über die Zugspitze ist meinem Buch “Wochenendtouren in den Nordalpen”entnommen, das 15 solcher wirklich perfekten Bergwochenenden vorstellt.
Der von der Zugspitze über die Höllentalspitzen zum Ansatz des Hochblassen ziehende Jubiläumsgrat ist eine der eindrucksvollsten Gratüberschreitungen der Ostalpen. Vor allem wenn man ihn als dreitägige Rundtour angeht und mit dem einsamen Anstieg über die Zugspitzwestseite beginnt. Denn die einmalig gelegenen Wienerneustädter Hütte ist eine Bergsteigerunterkunft die den Namen >>Hütte<< noch wirklich verdient. Beim frühmorgendlichen Zugspitzaufstieg wird man dann meistens allein sein, streben doch die meisten Jubiläumsgrat Aspiranten die lange Gratüberschreitung nicht >>by fair means<< also aus eigener Muskelkraft, sondern via Zugspitz-Seilbahn an.
Nach Bewältigung des Jubilläumsgrats und nach dem steilen Abstieg durchs das Matheisenkar winkt zur Belohnung ein Bier auf der Höllentalangerhütte, wo man die zweite Nacht verbringt. Am letzten Tag dieser wirklich einzigartigen Rundtour geht es mit tollen Aussichten über die Riffelscharte zurück zum Ausgangspunkt am Eibsee.
Natürlich ist darauf hinzuweisen, dass diese Unternehmung Bergwanderern mit guter alpiner Erfahrung vorbehalten und die vielleicht schwierigste Tour dieses Buches ist. Die Schwierigkeiten sind unter dem Punkt >>Anforderungen<< genau beschieben.
Toureninfos
Gipfel: Zugspitze 2962 m, Mittlere Höllentalspitze 2743 m, Vollkarspitze 2618 m.
Talort/Ausgangspunkt: Garmisch-Partenkirchen 708 m./ Eibsee 970 m.
Anfahrt:Mit dem Auto: Auf der A 95 nach Garmisch und dann zuerst auf der B 2, dann auf der B 23 Richtung >>Ehrwald<<. Hinter Garmisch nach links nach >>Grainau/ Eibsee<< abbiegen. Nun der Hauptstraße bis zum Großparkplatz am Eibsee folgen. Mit dem Zug: Von München Hbf. Direkt nach Garmisch-Partenkirchen und hier Umsteigen in die Bayerische Zugspitzbahn. An der Haltestelle Eibsee aussteigen.
Gesamte Gehzeit:19:30 Std.
Gesamte Höhendifferenz:3650 Hm.
Anforderungen:Lange Gratüberschreitung die große Anforderungen an die Kondition, absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit voraus setzt. Dementsprechend sind stabile Wetterverhältnisse ohne Gewitterneigung erforderlich. Die ersten technisch schwierigeren Stellen sind absichtlich nicht drahtseilversichert. Wer sich hier nicht wohl fühlt, sollte besser umkehren. Danach sind schwierigeren Passagen mit Drahtseilen und Stiften entschärft. Sehr lange, ausgesetzte Passagen sind aber nicht drahtseilversichert. Ein Klettersteigset ist für die steile Passage an der Vollkarspitze empfehlenswert.
Beste Jahreszeit: Je nach Schneelage von Ende Juni bis Anfang Oktober.
Einkehr/Unterkunft: Wiener Neustädter Hütte (Österreichischer Touristen Klub) 2213*m., Tel. 0043/676/4770925, Internet: www.oetk.at/index.htm?/huetten/46.htm Bewirtschaftet Anfang Juli bis Ende September; Münchner Haus, 2962*m, DAV, Tel. 08821/2901, geöffnet Mai bis Anfang Oktober; Höllentalangerhütte (DAV) 1381*m, DAV, Tel. 08821/8811, Internet: www.hoellentalangerhuette.de, Geöffnet von Ende Mai bis Ende September.Sowie: Münchner Haus auf der Zugspitze.
Karte: Alpenvereinskarte >>Wetterstein<< Blatt 4/2, 1 : 25000
Freitag Auf die Wiener Neustädter Hütte Einsamer Hüttenzustieg an der steilen Westflanke des Wetterstein
Eibsee – Grenze – Wiener Neustädter Hütte
Weglänge: 6 Km. Reine Gehzeit: 3:30 Std. Höhenmeter:1250 Hm.
Wegverlauf: Vom Parkplatz Eibsee (970 m) geht man links am großen Seilbahngebäude vorbei und folgt dem, eine breite Wiesenschneise querenden Weg nach rechts. Wieder im Wald stößt man auf eine Forststraße die man sogleich nach links verlässt und kurz darauf noch einmal quert. Nun geht es auf einem Fußweg (teilweise entlang der Skipiste) weiter nach Westen bergan. Hinter der Staatsgrenze (1:30 Std., 1520 m) geht man an zwei Abzweigungen geradeaus und quert einen großen Schotterhang. Bald geht es steiler hinauf und es folgen die ersten ausgesetzten, drahtseilversicherten Passagen. Es wird felsiger, der Weg ist aber gut mit roten Punkten markiert. Nachdem man die Trasse der Tiroler Zugspitzbahn unterwandert hat, wendet sich der Weg scharf nach Osten. Man kommt direkt an einem Seilbahnmasten vorbei und erreicht in einer seilversicherten Querung schließlich das >>Österreichische Schneekar<< wo die Wiener Neustädter Hütte (3:30 Std., 2213 m) liegt.
Samstag Überschreitung des Jubiläumsgrat Großartige Grattour mit steilem Abstieg ins Höllental
Zugspitze – Jubiläumsgrat – Grieskarscharte – Mathaisenkar - Höllental
Weglänge: 10,5 Km. Reine Gehzeit: 10 bis 12 Std. Höhenmeter: ca. 1500 Hm.
Wegverlauf: Von der Wiener Neustädter Hütte (2213 m) quert man das Österreichische Schneekar nach Osten und folgt am Wandfuß der Zugspitz Westflanke den Drahtseilen und Markierungen mehr oder weniger steil bergan. Eisenstifte und Drahtseile entschärfen den steilen Anstieg durch die Felsrinne des sogenannten >>Stopselziehers<< deutlich. Das Gelände legt sich allmählich zurück und man steigt – immer gut auf die deutlichen Wegspuren und Markierungen achtend - wieder im Gehgelände bis man den westlichen Rand des Zugspitzplattes auf. Nun folgt man auf guten Serpentinen dem Kamm nach Nordosten bis zur stark überbauten Zugspitze. Man geht am Müpnchner Haus vorbei, über die große Terrasse und klettert über eine Leiter zum Gipfelkreuz der Zugspitze (3 Std., 2962 m.). Kurz vor dem Gipfel folgt man weiter den zunächst noch deutlichen Wegspuren die dem Grat nach Osten folgen. Dann wird das Gelände weglos und man steigt über den zum Teil schmalen Grat. Bald muss man zu einer glatten Rinne hinabklettern. Nach der Rinne klettert man wieder aufwärts und folgt im stetigen Auf- und Ab dem Grat bis zur ersten drahtseilversicherten Klettersteigstelle und weiter bis zum Grataufschwung der Inneren Höllentalspitze. Weiter geht es auf dem Grat bis es dann etwas ausgesetzt in eine Scharte hinab geht. Von hier aus steigt man rechts vom Grat zur Inneren Höllentalspitze auf. Nachdem man ein Stück abgestiegen ist zweigt nach rechts der beschilderte Notabstieg zur Knorrhütte an (Siehe >>Wichtiger Hinweis<<). Weiter geht es entlang des nun breiteren Grats über die Mittlere Höllentalspitze (7*Std., 2734*m) zur Äußeren Höllentalspitze wo eine kleine , stets offene Unterstandshütte steht. Wieder am Grat absteigend (teilweise Drahtseile) gelangt man bis zur Scharte vor der Volkarspitze. Der folgende, glatte Steilaufschwung wird mit Hilfe von Drahtseilen und Eisenstiften gemeistert. Dahinter steigt man wieder leichter, mehr oder weniger direkt am Grat auf den Hochblassen zu, bis man zu einer rot markierten Abzweigung gelangt. Dort folgt man nach links der Beschilderung >>Grießkarscharte<< und kommt bald unter den Nordabbrüchen des Hochblassen vorbei. Ein letztes mal steigt man in einer Rinne bergauf und folgt dann den deutlichen Steigspuren im Geröll zur Grießkar Scharte (10*Std. 2463 m) hinab. Von hier geht es nach Norden wo man bald die Drahtseilversicherung sieht. Entlang dieser steigt man nun steil ins Mathaisenkar ab. Man quert schließlich dieses Kar nach Westen und folgt dann dem, nun flacheren Weg weiter nach Norden hinab zur Höllentalangerhütte (12*Std., 1381*m.).
Tipp: Planen Sie den Aufstieg zu Zugspitze so, dass sie vor der Ankunft der ersten Seilbahn den Jubiläumsgrat beginnen können. Startzeit an der Wiener Neustädter Hütte also um 5 Uhr früh.
Wichtiger Hinweis: Auf dem gesamten Gratverlauf gibt es nur einen einzigen Notabstieg. Dieser führt von der Inneren Höllentalspitze nach Süden hinab gegen den Brunntalkopf und weiter zur Knorrhütte. Er ist jedoch genau so anspruchsvoll wie der Jubiläumsgrat selbst, aber nicht so blitzexponiert. Es muss frei abgeklettert werden.
Sonntag Über die Riffelscharte zurück zum Eibsee ‘Schöne Bergtour mit einzigartigem Seeblick
Höllentalangerhütte – Riffelscharte - Eibsee
Weglänge: 7,5 Km. Reine Gehzeit: 4 Std. Höhenmeter: 900 Hm.
Wegverlauf: Kurz nach der Höllentalangerhütte (1381*m.) überquert man auf einer Brücke das Bachbett, um auf der anderen Talseite in angenehmer Neigung weiter anzusteigen. Noch ist der Weg sehr gut, bis er am Talende plötzlich in einen unscheinbaren Steig übergeht. Wir folgen den roten Markierungen nach rechts bergan und müssen die Hände manchmal zu Hilfe nehmen. Bald stehen wir vor einer Weggabelung. Wir folgen dem Schild >>Riffelscharte<< und wenden uns nach rechts. Zunächst ist der Weg flacher, bevor es ein längeres Stück steil und etwas ausgesetzt bergan geht. Wir folgen immer den, zum Teil verblichenen roten Punkten und Pfeilen. Bald erreicht man ein Drahtseil, welches uns ein kurzes Stück steil bergauf leitet. Der Weg wird wieder flacher und wendet sich schließlich nach links -einen Abzweiger nach rechts ignorieren wir- , um die flache Mulde östlich der Riffelscharte zu erreichen. Man hält auf die Mitte des Kares zu, und wendet sich dort wo es wieder steiler wird nach rechts. Zum Schluss erreichen wir über einen schönen Rücken den breiten Sattel der Riffelscharte (2*Std., 2190*m). Man geht nun noch ein kurzes Stück bergan und erreicht ein Stahlseil, entlang dessen wir ein längeres ausgesetztes Wegstück nach Südwesten hinabsteigen. Dahinter erreicht man eine große Schuttreisse an dessen linker Seite man weiter an Höhe verliert. Schließlich wendet sich der Weg von der Reiße ab und quert flach zu einem mit Latschen und Lärchen bewachsenen alten Schuttkegel über den es auf angenehmen Serpentinen weiter bergab geht. Bald erreicht man eine Weggabelung. Hier hat man zwei Möglichkeiten:
Alternative 1: Wir gehen nach rechts (Markierung >>ES<<) und folgen dem bald schmäler werdenden Weg. Bald stößt dieser bei einigen Erdhügel auf einen nicht mehr verwendeten Fahrweg, dieser Wegabschnitt ist nicht mehr markiert. Dem alten Fahrweg folgen wir nun immer unterhalb der Seilbahn nach rechts bergab in Richtung Norden. Einmal kommt man an einem ehemaligen Wendeplatz vorbei; hier hält man sich rechts und folgt weiter der alten Trasse hinunter. Dort wo diese endet, beginnt eine schmale, aber deutliche Wegspur, die über einen Kamm in den Wald hinein führt. Die Spur gabelt sich man hält sich hier links und stößt bald auf einen breiteren Weg dem man nun bergab folgt. Schließlich stoßen wir auf die Kurve eines breiten Forstweges der man ein kurzes Stück folgt, um sie sogleich wieder nach rechts zu verlassen. Die Wegspuren führen uns auf einen alten Fahrweg. An einer Gabelung halten wir uns links, überqueren mittels einer Brücke die Trasse der Zugspitzzahnradbahn und stehen am Parkplatz am Eibsee der Zugspitzbahn. (4*Std., 970*m.). Alternative 2: Wir gehen an der Gabelung links und kommen bald zur Haltestelle Riffelriß der Zugspitzbahn. Von hier führt uns der Weg weiter nach Westen zur Landesgrenze, wo wir auf den von der Wiener-Neustädter Hütte her kommenden Weg stoßen. Hier wendet man sich nach rechts und folgt nun den mit der Nummer 821 markierten Weg hinunter, bis man schließlich den Eibsee erreicht.
Zweitagesvariante
Wer nur Samstag und Sonntag Zeit hat, kann entweder den Zugspitz-Anstieg weglassen und am Samstag mit der ersten Seilbahn auf die Zugspitze fahren.
Oder aber man folgt dem beschriebenen Routenverlauf bis zur Höllentalanger Hütte und steigt von dort am zweiten Tag durch die Höllentalklamm in zusätzlich etwa zwei Stunden nach Hammersbach ab, von wo sowohl eine Bus- als auch eine Zugverbindung zum Garmischer Bahnhof besteht.
|